KJP - Dr. med. Thomas Kahlen

Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie

Häufig werden mir Kinder auf Anregung von LehrerInnen, ErzieherInnen oder anderer Personen mit dem Wunsch zugewiesen, das Verhalten und/oder das Leistungsvermögen eines Kindes abklären zu lassen. Hier ergeben sich einige Fragen, die ich gerne beantworten möchte (FAQ):

 

Wie lange ist die Wartezeit bis zum Ersttermin?

Normalerweise beträgt die Wartezeit je nach Fragestellung 3-6 Monate. Bei psychiatrischen Notfällen (Psychose, Suizidalität) jedoch nur einen Tag bis zwei Tage. 

Gibt es Unterschiede in der Wartezeit bis zum Ersttermin und wodurch kommen diese zustande?

Ja, abgesehen von den psychiatrischen Notfällen, ist es so, dass in meiner Praxis pro Quartal (3 Monate) nur eine von den Krankenkassen vorgegebene Anzahl von Kindern sozialpsychiatrisch behandelt werden darf. Dies sind seit dem 01.01.2010 für alle gesetzlichen Krankenkassen 450 Kinder pro Quartal. Diese Begrenzungen gelten nicht für privat versicherte Kinder, so dass deren Wartezeit 1-2 Monate beträgt. 

Was ist die Grundlage für eine Diagnostik und Therapie?

Ich arbeite in der Praxis mit einem sozialpsychiatrischen Team zusammen, d.h., dass neben ärztlichen Leistungen unter meiner Verantwortung die pädagogischen Mitarbeiterinnen auch Leistungen im diagnostischen und therapeutischen Bereich erbringen. 

Was bedeute die Sozialpsychiatrische Vereinbarung?

In den teilnehmenden kinder- und jugendpsychiatrischen Arztpraxen werden damit diagnostische und therapeutische Maßnahmen in einem interdisziplinär ausgerichteten Team bei vielen jungen Patienten und deren Familien durchgeführt. Einzel- und Gruppentherapien, Elternberatung und Familienarbeit werden ergänzt durch Kooperation des Facharztes und seiner Mitarbeiter mit Schulen, Kindergärten, Erziehungsberatungsstellen, Jugendämtern, usw.. Der Vorteil der Sozialpsychiatrie ist, dass sehr flexibel für den Einzelfall Behandlungen und Hilfen angeboten werden können und die Wartezeit auf einen Therapieplatz deutlich verringert werden kann. Dies betrifft vor allem Kinder mit schweren psychiatrischen Störungen, die eine berufsgruppenübergreifende Behandlung dringend benötigen. 

Warum finden die Diagnostiktermine nur morgens statt?

Dies liegt zum einen daran, dass die Kinder gute äußere Bedingungen erhalten sollen, um optimale Leistungen erbringen zu können (gut ausgeschlafen, nicht nach einem "Arbeitstag" mit möglichen Konflikten) und zum anderen daran, dass nachmittags dann länger dauernden Therapien (Einzel, Gruppen) stattfinden können. Nach den Diagnostikterminen können die Kinder wieder ihre Einrichtung besuchen. Würden wir ausschließlich nachmittags arbeiten, würde sich die Wartezeit mehr als verdreifachen. 

Wie lange dauert es, bis die Diagnostik beendet ist?

Vom Ersttermin an sind dies je nach Fragestellung 3-6 Monate. Da pro Quartal von den gesetzlichen Krankenkassen nur eine begrenzte Zahl von Testungen übernommen werden, müssen bei komplexeren Fragestellungen die Tests auch über zwei Quartale verteilt werden. Auch hierdurch verlängert sich die Zeit, bis die psychodiagnostischen Ergebnisse vorliegen. 

Gibt es weitere Einschränkungen in der Behandlung durch die gesetzlichen Krankenkassen?

Leider ja, trotz aller Zusicherungen durch die Politik. Das Geld, das für die sozialpsychiatrische Behandlung pro Quartal und Patient zur Verfügung steht (z.B. für die Diagnostik, Einzel- und Gruppentherapien), wurde gekürzt. Auch ist die SPV-Pauschale seit 21!! Jahren nicht verändert worden, doch die Personalkosten sind gestiegen. Längere Wartezeiten und Leistungseinschränkungen sind die Folge.

Wird die Schule automatisch über die Ergebnisse der Diagnostik informiert?

Nein, nur wenn die Eltern mich von der Schweigepflicht befreien, kann ich zu Lehrern Kontakt aufnehmen. 

Kann ich als LehrerIn an den Gesprächen in der Praxis teilnehmen?

Ja, jederzeit, bitte sprechen Sie dafür die Eltern an und vereinbaren Sie gemeinsam einen Termin.

Gibt es Möglichkeiten der telefonischen Kontaktaufnahme mit Lehrern/Erzieher?

Bitte sprechen Sie die Eltern an und bitten diese, mich mit folgender Erklärung von der Schweigepflicht zu entbinden. (Ich brauche hierzu die Unterschriften aller Sorgeberechtigter).

Bekommen Lehrer/Erzieher/Mitarbeiter des Jugendamtes eine schriftliche Zusammenfassung der Befunde?

Eine schriftliche Zusammenfassung der Untersuchungsbefunde an die Sorgeberechtigten ist keine Leistung der Krankenkasse. Für 8 Euro (nach GOÄ 75) schreibe ich auf Wunsch der Eltern einen Befundbericht und schicke diesen ebenfalls ausschließlich an die Sorgeberechtigen, die dann natürlich dieses Schreiben an die involvierten Stellen weiterleiten können.

Wie lange dauert es, bis bei einem Kind die Therapie beginnt?

Kommt es nach einer diagnostischen Phase dann im Einvernehmen mit den Sorgeberechtigten und den Kindern zu einer Therapie, kann dies in einer Kleingruppe oder einzeln erfolgen. 

Bis es zu einer Gruppentherapie (funktionelle Entwicklungstherapie) kommen kann, vergeht wieder eine Wartezeit, deren Länge ich nicht vorhersagen kann, da wir bei einer neuen Gruppenzusammenstellung das Kind als erstes berücksichtigen, das schon am längsten auf eine Therapie wartet, und ihm Kinder von der Warteliste zuordnen, die vom Entwicklungsstand und Alter zu diesem Kind passen. 
Je nach Gruppenthema sind dies insgesamt 7-12 Termine, die jede Woche nachmittags stattfinden. Zur Zeit (Stand 10/2013) bieten wir 10 Gruppen pro Woche mit unterschiedlichen therapeutischen Schwerpunkten an.

Die Einzeltermine werden individuell in Anzahl und Frequenz vereinbart, aber auch hier gibt es wirtschaftliche Grenzen, die uns von den Krankenkassen vorgegeben werden (nur noch 5-6 Termine pro Quartal im Rahmen der sozialpsychiatrischen Versorgung durch die vorgenommenen Kürzungen).

Eine antragspflichtige Psychotherapie (Gutachten an die Krankenkasse, z.B. 50 Einheiten à 50 Minuten mit wöchentlichen Terminen) kann von mir nur in sehr begrenzter Anzahl angeboten werden, da ich überwiegend sozialpsychiatrisch arbeite. Die Wartezeit beträgt mehr als ein Jahr.

Können Sie Ergo-, Sprach- und Physiotherapie verordnen?

Ja, nach einer Diagnostik ist eine Verordnung einer ergo-, sprach- oder physiotherapeutischen Behandlung nach den Maßgaben des Heilmittel-Katalogs möglich, der genau festlegt, bei welcher Störung der Arzt welches Heilmittel in welchem Umfang verordnen kann. 

Kann eine Behandlung der Lese- und Rechtschreibschwäche oder einer Rechenschwäche in Ihrer Praxis erfolgen?

In der Praxis kann die Diagnostik dieser sogenannten Teilleistungsschwächen erfolgen und ein Therapieplan erstellt werden, aber eine Behandlung ist nicht zu Lasten der Krankenkassen weder in meiner Praxis noch über eine Ergotherapie- oder Sprachtherapieverordnung zulässig. Diese Förderung ist entweder privat zu zahlen oder unter bestimmten Umständen kann ein anderer Kostenträger gefunden werden. Vorrangig ist aber immer die Schule für diese Förderung zuständig.

http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Erlasse/LRS-Erlass.pdf

Kann eine Therapie ein AO-SF (Ausbildungsordnung Sonderpädagogische Förderung NRW) überflüssig machen?

In Einzelfällen ja, jedoch gilt, dass die Entscheidung über den sonderpädagogischen Förderbedarf, Förderschwerpunkt und Förderort von der Schulaufsichtsbehörde getroffen wird.

http://de.wikipedia.org/wiki/AO-SF
http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/APOen/AO_SF.pdf

Werde ich als Lehrer automatisch darüber informiert, dass ein Kind Medikamente bekommt?

Nein, dies liegt ausschließlich in der Entscheidung der Sorgeberechtigten. Nur wenn die Eltern mich gegenüber Ihnen von der Schweigepflicht befreien, kann ich zu Ihnen Kontakt aufnehmen.

Wie kann aus ihrer Sicht die Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern verbessert werden?

Ich kann den Sorgeberechtigten gemeinsame Gespräche in der Praxis mit allen Beteiligten anbieten. Auch gibt es die Möglichkeit, mit der Schulpsychologischen Beratungsstelle des Kreises Unna Kontakt aufzunehmen und sich als Lehrer und Eltern beraten zu lassen. 

Bieten Sie auch Fortbildungen für Lehrer, Erzieher, Jugendamtsmitarbeiter an?

Ja, in Einzelfällen halte ich Vorträge in Schulen und anderen Einrichtungen zu Themen wie ADHS, Hochbegabung, Traumatherapie, Bindungsforschung, Depression, Angststörungen, etc.. 

Haben Sie weitere Fragen? 
Bitte lassen Sie es mich wissen und ich werde gerne versuchen, Ihnen diese zu beantworten.